Geschlossenes Terrarium für Asseln und Springschwänze bauen

· von Milan Vesely · 5 Min. Lesezeit

Geschlossenes Terrarium für Asseln und Springschwänze bauen

Ein geschlossenes Terrarium für Asseln und Springschwänze ist im Grunde ein winziger Regenwald im Glas, der sich selbst versorgt. Einmal richtig eingerichtet, läuft das System fast wie von allein: Wasser verdunstet, kondensiert an der Scheibe, tropft zurück auf die Erde. Ein Kreislauf im Miniaturformat. In diesem Leitfaden zeige ich dir, wie du so ein Terrarium Schritt für Schritt aufbaust, vom Gefäß über das Substrat bis zur laufenden Pflege. Die Hauptarbeit übernehmen dabei zwei Tiergruppen: Asseln (Isopoden) zersetzen abgestorbenes Material, Springschwänze (Collembolen) fressen Schimmel weg. Zusammen halten sie das kleine Ökosystem sauber, ganz ohne dein Zutun.

Warum Asseln und Springschwänze?

Wer schon mal ein Glasterrarium ohne diese beiden Helfer angesetzt hat, kennt das Problem: Nach zwei, drei Wochen breitet sich weißer Schimmelflaum auf dem Substrat aus. Genau hier kommen Asseln und Springschwänze ins Spiel, quasi als Reinigungstrupp:

Ist das Terrarium erst mal eingefahren, läuft es oft monatelang, ohne dass du eingreifen musst. Manche Halter berichten von Jahren ohne größeren Aufwand.

Material und Werkzeug

Die Liste ist kürzer, als man denkt. Vieles davon liegt vermutlich schon im Keller oder Gartenschuppen:

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Gefäß reinigen

Heißes Wasser reicht völlig, auf Spülmittel oder Desinfektionsmittel solltest du verzichten. Chemische Rückstände in der Glasstruktur können den Tieren später schaden, auch in winzigen Mengen. Danach das Gefäß gut abtrocknen lassen, am besten über Nacht auf dem Kopf stehend.

2. Drainageschicht anlegen

Als unterste Lage kommen zwei bis drei Zentimeter Blähton oder Kies hinein. Diese Schicht fängt überschüssiges Wasser auf, denn Staunässe ist im geschlossenen System der häufigste Grund für Fäulnis und Modergeruch. Darüber verteilst du eine dünne Lage Aktivkohle, sie filtert Schadstoffe und hält die Luft im Glas neutral.

3. Substrat aufschütten

Darauf folgen fünf bis acht Zentimeter Terrarienerde. Wichtig: unbedingt ungedüngte Erde verwenden. Handelsübliche Blumenerde mit Langzeitdünger kann für Asseln und Springschwänze problematisch sein, ihre Häute und Atemorgane reagieren empfindlich auf chemische Zusätze. Die Erde leicht andrücken, aber nicht festklopfen, sie soll locker bleiben, damit Luft und Wasser zirkulieren können.

4. Dekoration und Verstecke

Eine Schicht getrocknetes Laub obendrauf, das ist gleichzeitig Deko und Hauptnahrungsquelle der Asseln. Ein Stück Rinde oder halb eingegrabenes Holz dient als Rückzugsort und speichert zusätzlich Feuchtigkeit. Kleine Hügel und Unebenheiten im Substrat lassen das Ganze weniger künstlich wirken, eher wie ein echtes Stück Waldboden.

5. Pflanzen einsetzen

Jetzt kommen Moos, kleine Farne oder Fittonia hinein. Sie produzieren Sauerstoff, regulieren die Luftfeuchtigkeit und sorgen für ein stabileres Mikroklima im Glas. Achte darauf, nur Arten zu wählen, die dauerhafte Nässe vertragen, viele gewöhnliche Zimmerpflanzen faulen unter diesen Bedingungen innerhalb weniger Wochen.

6. Tiere einsetzen

Zum Start genügt eine kleine Gruppe: ein paar Springschwänze und etwa 5 bis 10 Asseln. Gut geeignete, robuste Arten für Einsteiger sind die Weiße Assel (Porcellionides pruinosus) oder die Rollassel (Armadillidium vulgare). Setze die Tiere vorsichtig auf das Substrat, am besten in der Nähe des Laubs, dort finden sie sofort Deckung und Futter.

7. Anfeuchten und verschließen

Besprühe das Terrarium mäßig mit weichem, kalkarmem Wasser, Regenwasser eignet sich hervorragend. Der Boden sollte sich feucht anfühlen, wie ausgewrungener Schwamm, aber niemals matschig. Danach das Glas luftdicht verschließen. Ein leichter Nebelschleier an den Scheiben in den ersten Stunden ist völlig normal. Beschlagen die Wände aber dauerhaft komplett, war es zu viel Wasser, dann lieber kurz nachjustieren.

Pflege und häufige Fehler

Pflegeleicht heißt nicht wartungsfrei, ein bisschen Beobachtung gehört dazu:

Fazit

Ein geschlossenes Terrarium für Asseln und Springschwänze ist eines dieser Projekte, die klein anfangen und einen dann doch länger beschäftigen, als man dachte. Man baut ein winziges Ökosystem, das sich selbst reguliert, kaum Pflege braucht und trotzdem jeden Tag ein bisschen anders aussieht. Mit der richtigen Schichtung, passenden Pflanzen und einem funktionierenden Putzteam aus Asseln und Springschwänzen hält so ein Mini-Biotop locker viele Monate, oft sogar Jahre. Und ganz nebenbei bekommst du eine Live-Vorführung davon, wie natürliche Kreisläufe eigentlich funktionieren, direkt auf deinem Fensterbrett.

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